Betreuung meines DBR-Projekts durch:

Wissenschaftscoaching

Frau Dr.in. Alexa Brase (HUL der Universität Hamburg)

ko-kreativer DBR-Praxispartner

Herr Prof. Dr. Andreas Hoff (Hochschule Zittau / Görlitz)




Steckbrief


Der Gerontologie Designer: Workshop mit ko-Kreator-Planspiel zur partizipativen Modulentwicklung eines gerontologischen Kerncurriculums aus  der Studierendenperspektive

  • Problemstellung und Kontext

    Ausgangslage

    Die Studienlandschaft gerontologischer Studiengänge ist hochgradig heterogen, was zu uneinheitlichen Qualifizierungsprofilen der Absolvierenden führt.


    Herausforderung

    Zeitnot berufsbegleitender Studierender und mangelnde Einbindung ihrer praktischen Vorerfahrungen (Tacit Knowledge)


    Ziel

    Analyse und Verbesserung der Verknüpfung von Studium, Beruf und Qualität durch partizipative Workshop-Formate

  • Intervention als Design-Gegenstand

    Kern-Intervention

    Ein ko-kreatives Planspiel als zentrales Instrument und "Grenzobjekt" zwischen Wissenschaft und Berufpraxis.


    Funktion

    Das Planspiel ersetzt hierarchische Planungsmodelle durch eine attraktive, praxisnahe Gestaltung der Weiterbildung und dient als Verhandlungsinstrument für curriculare Parameter.

  • Theoretische(r) Anker

    Constructive Alignment

    Abstimmung von Lernzielen, Lehrmethoden und Prüfungen


    Student Agency

    Aktive Rolle und Mitbestimmung der Studierenden im Gestaltungsprozess.


    Boundary Object (Grenzobjekt)

    Vermittlung zwischen unterschiedlichen sozialen Welten (Wissenschaft & Berufspraxis)

  • Empirische Methoden

    Qualitative Begleitforschung

    Typologisierung des Systemverständnisses und der Priorisierungsprozesse der Teilnehmenden


    Datenerhebung & Evaluation

    Experten*inneninterviews, partizipative Workshops sowie Validierungsschritte zur Überprüfung der administrativen Tragfähigkeit.

  • Iterationen

    Forschungsrahmen

    Dreizyklisches Design-Based-Research-Projekt (DBR) nach McKenney & Reeves (2019)


    Zyklus 1 (Exploration)

    Erforschung systemischer Rahmenbedingungen via Experteninterviews.


    Zyklus 2 (Intervention)

    Durchführung der ko-kreativen Planspiele zur Aushandlung curricularer Parameter.


    Zyklus 3 (Validierung)

    Prüfung der Ergebnisse auf administrative Tragfähigkeit und iterative Optimierung.

  • Ergebnisse

    Erwarteter Output

    Grundlagen für einheitliche DGGG-Standards zur partizipativen Curriculumentwicklung.


    Praxistransfer

    Etablierung eines erprobten, partizipativen Modells zur flexiblen und praxisnahen Gestaltung gerontologischer Studiengänge und Weiterbildungen.

Das DBR-Projekt „Der Gerontologie-Designer“ adressiert die zunehmende Diskrepanz zwischen akademischer Weiterbildung und prekärer Realität in der gerontologischen Berufspraxis (vgl. Stachelbacher & Schneider 2020:1-24). Methodisch folgt das DBR-Projekt dem Educational Design Research Framework nach McKenney & Reeves (2019), welches durch eine systematische Verzahnung von Analyse/Exploration, Design/Konstruktion und Evaluation/Reflexion gekennzeichnet ist (vgl. Mc Kenney & Reeves 2019: 78 ff.). Im Sinne der Explorationsphase nach McKenney & Reeves (2014 / 2019) wurde ein ko-kreatives Forschungssetting entwickelt, das Studierende im Sinne Student Agency-Konzepts von passiven Konsumierenden zu aktiven Co-Designern transformiert (vgl. Kundu 2020; Jassop 2024; Tremmel et al. 2014: 203 ff.). Dieser iterative Prozess begreift Lehrentwicklung als kontinuierlichen Innovationszyklus (vgl. Reinmann & Schmohl 2018: 161 ff.), bei dem die Gestaltung des Moduls durch Studierende mittels einer systematisch-formativen Evaluationen stetig verfeinert wurde, um die Balance zwischen wissenschaftlicher Strenge und praktischer Relevanz sicherzustellen.

Das Ergebnis des DBR-Projekts deutet an, dass eine nachhaltige Erhöhung der Studierbarkeit für die heterogene Zielgruppe der Gerontologie-Studierenden keine inhaltliche Reduktion erfordert (vgl. Hanft & Brinkmann 2013: 208 ff.), sondern eine radikale Transformation der Zeit-Architektur sowie den Einsatz innovativer Curricula (vgl. Niethammer et al. 2020: 37 ff.). Die partizipative Modulentwicklung, wurde durch eine Studierende der Sozialen Gerontologie im Rahmen des ko-kreativen Planspiels von „Der Gerontologie-Designer“ das Interventions-Artefakt „Wirkungsorientierung“ entwickelt und als Einzelfallanalyse ausgewertet. Die Studierende setzt bei ihrem Modul „Wirkungsorientierung“ auf 85 % Asynchronität mittels Audio-Learning (Podcasts) und ersetzt klassische Prüfungen durch prozessbegleitende E-Portfolios, die über den rein ökonomischen Marktwert hinaus als Werkzeug zur metakognitiven Reflexion des Kompetenzerwerbs dienen. Durch eine lokale Problemlösung durch die Studierenden wurde im DBR-Projekt der „Gerontologie-Designer“ verallgemeinerbare Design Principles (theoretischer Beitrag) entworfen, um berufsbegleitendes Lernen in prekären Sektoren zu ermöglichen. Diese soll durch asynchrone Formate mit unmittelbaren Validierungsanreizen verknüpft werden und erfordert im Kontext der Higher Education zudem eine Rollentransformation der Lehrenden. Das heißt, weg von der reinen Wissensvermittlung hin zur Moderation von ko-kreativer selbstgesteuerten Lehr-Lernräume.

Die iterative Forschungslogik meines DBR-Projekts folgt dem Educational Design Research nach McKenney & Reeves (2019). Die Durchführung erfolgt als „Theorie-Lehrpraxis-Spirale“, die über rein generative Gestaltung hinausgeht. Im Sinne des allgemeinen Gestaltungsrahmens werden theoretisch fundierte Design-Prinzipien postuliert und im „Laborraum“ des ko-kreativen Workshops „Der Gerontologie-Designer“ als Planspiel unmittelbaren Widerständen der Lehrpraxis ausgesetzt. Dieser Prozess fungiert als Mikro-Evaluationsebene, um die systematische Entwicklung der Lehr-Lern-Innovation zu prüfen. Dabei wird eine doppelte Zielsetzung verfolgt. Die praktische Optimierung des Intervention-Artefakts sowie die wissenschaftliche Validierung der zugrunde liegenden Design-Theorie (vgl. McKenney & Reeves 2019: 78 ff.).

Zyklus 0: Requirements Engineering (Experten*innen-Audit)

In einem Experten*innen-Audit des Fachausschusses „Gerontologische Ausbildung“ der DGGG (N = 7 von 9; Rücklaufqoute 78 %) wurden vier curriculare Invarianten identifiziert, die als „Pflichtkarten“ das Master-Niveau und die akademische Anschlussfähigkeit garantieren (vgl. Himmelsbach et al. 2025: 52 ff.; DGGG 2002: 43 ff.).

·     Data Literacy

·     Sektorenübergreifende Vernetzung

·     Digitale Souveränität

·     Psychische Resilienz


Zyklus 1: Die Workshop-Phase als empirischer Stress-Test

Der ko-kreative Workshop fungiert als „Laboratory in the Wild“, in dem Experten*innenvorgaben auf die Lebensrealität der Studierenden treffen. Im Zentrum steht die „Constraint-Satisfaction“, die systematischen Herausforderungen, akademische Qualitätsansprüche mit den realweltlichen Restriktionen der Studierenden (etwa durch Berufstätigkeit oder familiäre Verpflichtungen) in Einklang zu bringen. Diese bewusste Auseinandersetzung mit den vorhandenen Rahmenbedingungen dient als essenzielle Grundlage für die praktische Modulgestaltung (vgl. Reinmann 2022: 175 ff.).


Zyklus 2: Synthese und Validierung

Die durch die Studierenden entworfenen Module für ein Masterstudium der Gerontologie werden kondensiert und einem adminstrativen Review unterzogen. Mittels Conjectur Mapping (vgl. Sandoval 2014: 18 ff.) werden kausale Zusammenhänge zwischen Design-Entscheidungen und Wirkungen transparent gemacht, um allgemeingültige Design Principles abzuleiten. Ein Beispiel ist der Grundsatz „Asynchronität vor Präsenz bei Transfermodulen“, welcher die Beständigkeit der berufsbegleitenden Situation als Studierende der Gerontologie erklärt. Dies leistet einen Beitrag zur evidenzbasierten Studiengangsentwicklung (vgl. Niethammer et al. 2020: 37 ff.; Reinmann 2023: 269 ff.).


Neuer Text

Das ko-kreative Planspiel im Workshop „Der Gerontologie-Designer“ übersetzt die Komplexität in eine hochgradig strukturierte spielerische selbstgesteuerte Umgebung durch die Studierenden, um im Lernprozess die Selbstwirksamkeit zu fördern.


Materialität

Beidseitig bedruckt Modulkarten (Vorderseite Kompetenz; Rückseite: Workload / ECTS) oder in digitaler Version für bspw. ZOOM-Meeting; ein Innovations-Pool für Trends und Open Space (Leerkarten) für ko-kreative Ergänzungen. In der Funktion eines Boundary Objects (vgl. Star & Griesemer 1989: 387 ff.) erlauben diese Materialien eine gemeinsame Sprache zwischen Theorie und Berufspraxis. Diese Leerkarten fungieren als „Bottom-up-Sensoren“ für aktuelle Bedarfe (z. B. neue Finanzierungsmodelle), die in Experten*innenrunden oft übersehen werden. Damit wird sichergestellt, dass die Studiengangsentwicklung nicht nur top-down, sondern entlang der tatsächlichen Bedarfe der Praxis erfolgt (vgl. Klages & Bonillo 2015: 175 ff.).


Die „Realitäts-Veto“-Mechanik

Mit den Persona-Profilen werden die Entwürfe der Studierenden getestet. Ereigniskarten (z. B. „Personalnotstand“ oder „Serverausfall bei Online-Lehre“, etc.) provozieren eine Veto-Realität. Erweist sich ein Modul unter diesen Stressbedingungen als nicht studierbar, findet eine „On-the-fly-Evaluation“ statt, d. h. ein Prozess der direkten Echtzeit-Bewertung, bei dem das Modul-Design noch während des Workshops didaktisch modifiziert wird, bspw. durch eine unmittelbare Flexibilisierung der Abgabefristen. Dieser Prozess simuliert die iterative Verfeinerung von Design-Prototypen im Sinne des Design-Based Research und dient als Indikator für die Passung zwischen akademischem Workload und biographischer Resilienz (vgl. Hanft & Brinkmann 2013: 208 ff.; Reinmann 2023: 269 ff.).


Methodische Triangulation

Zur Gewinnung valider Forschungsdaten wird im Workshop eine methodische Triangulation angewandt, um die Qualitätssicherung und Evaluation im Design-Prozess systematisch abzusichern (vgl. McKenney & Reeves 2014: 141 ff.). Damit wird die Brücke geschlagen zwischen einem akademisch anspruchsvollen Curriculum und einer resilienten Gestaltung, die den realen Anforderungen einer alternden Gesellschaft und eines belasteten Pflegesystems standhält. Diese transferorientierten Handlungsprinzipien sichern die langfristige Innovationskraft der gerontologischen Hochschullehre (vgl. Keller & Dindas 2025).

Ergebnis der Studierenden: Vom Workshop zum Artefakt

Die Ergebnisse des ko-kreativen Workshops „Der Gerontologie-Designer“ werden im DBR-Kontext konsequent als duale Wissensproduktion dokumentiert. Sie umfassen „Design-Prinzipen“ (theoretische Beitrag) und „Prototypen“ (praktischer Beitrag). Diese zweifache Ergebnissicherung ist charakteristisch für Design-Based Research, da sie sowohl zur Theoriebildung sowie zur Lösung praktischer Bildungsprobleme beiträgt (vgl. Reinmann 2023: 269 ff.; McKenney & Reeves 2019: 78 ff.). Trotz der Reduktion auf die Intensiv-Einzelfallanalyse (n = 1 aufgrund vermutlich massiver beruflicher Barrieren in der Zielgruppe, die als „Veto-Realität“ selbst zum Forschungsgegenstand wurde), konnten durch die triangulative Auswertung von Beobachtungsprotokollen der Live-Workshops und den Arbeitsblättern in den Zwischenphasen der Live-ZOOM-Meetings valide Daten generiert werden. Dies sichert die methodische Qualität im Sinne eines Educational Design Research nach McKenney & Reeves (2019), bei dem die Erkenntnis unmittelbar aus dem Gestaltungsprozess erwächst (vgl. McKenney & Reeves 2019: 78 ff.; Reinmann 2022: 175 ff.).


Die ko-kreative Modulentwicklung für ein Kerncurriculum

Das finale Modell stellt eine materielle Manifestation des Forschungszyklus dar. Es synthetisiert die normativen Experten*innenvorgaben des Zyklus 0 mit den nutzendenzentrierten Innovationen aus der Interventionsphase des Zyklus 1. Damit erfüllt das Modul die Anforderungen an ein innovatives Curriculum, dass die Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis schlägt (vgl. Niethammer et al. 2020: 37 ff.).


Radikale Flexibilisierung (85 % asynchron)

Um der im ko-kreativen Workshop „Der Gerontologie-Designer“ identifizierten „Veto-Realität“ (Chef-Wechsel, Überlastung) zu begegnen, wurde von einer Studierenden ein „Audio-Studium“ entwickelt. Fachspezifische Podcasts (15-20 Min.) ersetzen klassische Präsenzvorlesungen. Dies transformiert „tote“ Pendelzeiten in produktive Lernzeit und löst den im DBR-Prozess identifizierten Zeit-Ressourcen-Konflikt auf. Diese asynchrone Zeit-Architektur ist eine direkte Antwort auf die spezifischen Bedarfe heterogener, berufstätiger Studierender (vgl. Klages & Bonillo 2015: 175 ff.; Hanft & Brinkmann 2013: 208 ff.).


Management-Fokus und „Struktur-Sicherheit“

Die Analyse des „Tacit Knowledge“ (implizites Erfahrungswissen) ergab für die Studierende einen signifikanten Gap bei operativen Management-Tool. Das Modul integriert daher standardisierte Projektlogik und Finanzierungplanung für Projekte in der Sozialen Arbeit mit Bezug zur Gerontologie. Ziel ist es, die emotionale Last des ständigen Improvisierens (Metapher: „Feuerlöscher-Modus“) durch didaktisch aufbereitete Strukturvorgaben massiv zu senken. Die Vermittlung dieser strategischen Kompetenzen ist essenziell für die Professionalisierung auf Master-Niveau in der Gerontologie (vgl. Backes et al 2007: 403 ff.; Kessler et al 2017: 399 ff.).


Prüfungskultur und Zertifizierung

Die Studierende setzt in ihrem Modul auf kompetenzorientierte E-Portfolios als Ersatz zu klassische Klausurenformate. Dieses Vorgehen folgt dem Prinzip des Constructive Alignment, indem die Prüfungsform (Portfolio) direkt die berufliche Performanz widerspiegelt (vgl. Biggs & Tang 2011). Die durch die Studierende geforderte Einbettung von Anreizsystems (Marktwert-Zertifikat ca. 3500 EUR) dient als strategisches Instrument, um die Akzeptanz bei Arbeitgebenden zu sichern und die „Student Agency“ durch berufliche Verwertbarkeit zu stärken. Damit wird ein transferorientiertes Handlungsprinzip etabliert, dass den ökonomischen und fachlichen Wert akademischer Weiterbildung sichtbar macht (vgl. Keller & Dindas 2025).